Alter und Rheuma
Die Rheumatoide Arthritis ist sicherlich der häufigste Grund für eine Polyarthritis (Gelenkschwellung von > 4 Gelenken) im höheren Alter und geht charakteristischer Weise mit einer symmetrischen Gelenkschwellung der Hand- und Fingergelenke und einer Morgensteifigkeit von über 60 Minuten einher. Die Gelenkschwellungen lassen sich anhand der gelenkbezogenen Schmerzen, weichen Schwellungen, Rötungen und Bewegungseinschränkung objektivieren. Die Schmerzen entstehen häufig in den Nachtstunden oder in Ruhe und werden durch die anschließende Bewegungen abgemildert. Im Vergleich zu jüngeren Patienten weisen die Patienten im höheren Lebensalter jedoch einige Charakteristika auf, die unter Umständen von der klassischen Beschreibung der Rheumatoiden Arthritis abweichen; zum einen sind die Gelenkentzündungen im Vergleich zu jüngeren Patienten eher stärker, die Entzündungen im Blut tendenziell höher. Nicht zuletzt werden die initialen Gelenkschwellungen häufig von Muskelschmerzen der Oberarme begleitet bzw. überlagert. Letztere klinische Symptomatik führte auch zu dem Begriff der late-onset Rheumatoiden Arthritis (LORA), welche den charakteristischen Muskelkater-ähnlichem Beginn der Erkrankung beschreibt.Sind nur wenige (< 5) Gelenke entzündet, zählen die die Gicht (Arthritis urica vera) und die Pseudogicht zu den häufigsten Ursachen im fortgeschrittenen Lebensalter. Zur Pseudogicht zählen die Chrondrocalcinose und die Periarthropathia calcarea. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sowohl zu akuten als auch zu chronischen Gelenkveränderungen führen können. Die klinische Unterscheidung zwischen den Gelenkerkrankungen ist gelegentlich kaum möglich, da die sie alle mit einer vergleichbaren Klinik einhergehen können, wobei die Chrondrocalcinose sich in über der Hälfte der Fälle initial an den Knien, die Gicht hingegen sich zumeist am Großzehgrundgelenk manifestieren.
Bestehen lediglich Gelenkschmerzen aber keine Schwellungen sind es häufig Symptome der Arthrose. Auch wenn Arthrose überwiegend im höheren Alter auftritt, ist davon auszugehen, dass es sich hierbei nicht um eine reine Abnutzungserscheinung handelt. Multiple Faktoren wie die Genetik, lokale Entzündungsreaktion, mechanische Beanspruchung und diverse zelluläre und biochemische Prozesse spielen eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der Arthrose. Diese Erkenntnisse decken sich mit der klinischen Erfahrung, dass nicht nur solche Gelenke degenerative Veränderungen aufweisen, die offensichtlich (übermäßig) mechanisch beansprucht worden sind. Als Leitsymptom für die Arthrose gilt ein zumeist gelenkbezogener Schmerz, der während der Bewegung auftritt und in sich Ruhe typischerweise rückläufig zeigt.

